A day at the races

Von DAN VON APPEN

Wann bist Du eigentlich das letzte Mal einfach losgefahren?Mit Deinem Klassiker, Youngtimer? Keine Ahnung von Technik und deshalb Angst, liegenzubleiben? Oder spekulierst Du mit Deinem Garagengold, der Weg zur Eisdiele ist nur einmal im Monat drin, wegen der Kilometer? Dein Partner sagt über Deine bessere Hälfte mit vier Rädern „zu laut, zu stickig, der stinkt, zu unsicher“? Elon Musk wird uns alle erlösen und zu besseren, autonom gefahrenen Menschen machen. Amen. Bis dahin lasst uns noch ein wenig selbstbestimmten mobilen Unsinn treiben, so wie George und Joao, die mit ihren bockelhart gefederten Morgan Plus 4 an einem Wochenende 1400 Kilometer von Berlin zu den Vintage Race Days in Rastede hin- und zurückfahren. Ich schließe mich mit meinem Triumph TR3 und Nina auf dem Beifahrersitz einfach an.

 

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A dream in green, pardon racing green. Foto: Dan von Appen

Le Mans-Feeling auf der A2

Auf der Autobahn ist es mit den kleinen Briten manchmal schon ein wenig heikel, zwischen 40-Tonner-LKW und den nie aufhörenden Kolonnen schwarzer SUV-Blechkolosse. So ähnlich muss es wohl für die Rennfahrer der Morgan und TR damals in Le Mans gewesen sein, als sie mit 180 km/h die Hunnaudieres-Gerade befuhren. Und dann überholten die Ferrari und Aston Martin sie mit 300 km/h. Check your mirrors! Und die Wassertemperatur. Sinkt der Öldruck? Klingt der Motor irgendwie anders? No. It’s all going well bei den drei alten Sportwagen in British Racing Green.

Dan von Appen und Freunde mit englischen Autos auf der deutschen Autobahn
Foto: Dan von Appen

Rastede Racetrack

Bei Wolfsburg verlassen wir die Autobahn und fahren Richtung Oldenburg über Landstraßen bis Rastede. Im kleinen blitzsauberen wie verschlafenen Städtchen gibt es einen wunderschönen Park mit Schloss und einer Galopp-Rennbahn. Einmal im Jahr treten dort historische Pferdestärken bis zum Baujahr 1953 an. Ein kleines, feines Goodwood im deutschen Norden, mit Klassiker-Modellen, die man so und vor allem in Action nicht jeden Tag sieht. Bentley, Riley, Alvis, Alfa, Mercedes, ein 3,5-Tonnen Auto-Monster von 1912 namens  „American LaFrance“ und die feinen kleinen Kompressor-MG, Bugatti und Amilcar. Das Gras, der Sand lädt die Fahrer zum Driften ein, es wird auf Gleichmäßigkeit gefahren, was aber eher bedeutet, dass lieber vor Start und Ziel stark gebremst wird, als konstant um den Kurs zu tuckern und nicht mal ein paar Grasnarben mit dem quergestellten Bentley von 1927 zu rupfen. Die original „Bentley-Boys“, eine verschworene und wüste Renntruppe der 1920er aus England, hätten hier sicher ihren Spaß gehabt. 

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Pures Racing in familiärer Atmo. Foto: Dan von Appen

Bugatti und Willy’s Jeeps

Es ist heute eher selten, dass Oldtimer-Veranstaltungen so entspannt, fast privat sind. Frag‘ den Bugatti-Besitzer einfach, ob er Dich auf eine Runde mitnimmt, in Rastede ist die Chance wesentlich höher als anderswo. Witzig-skurril ist die deutsche (verkleidete) Abordnung der US-Army mit ihren WW II-Dodge-Trucks und Willy’s Jeeps: Sie haben am Rand der Galopprennbahn ihr Lager aufgeschlagen.

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Die Amis kommen! Foto: Dan von Appen

Auf einen Kaffee mit Halwart Schrader

Unsere drei Roadster wären für eine Teilnahme nicht alt genug. Vielleicht auch nicht teuer genug. Das macht aber nichts, denn unser Abenteuer, unser Genuss besteht ja auch in der Fahrt hin und zurück. Zum Beispiel sind wir bei Uelzen auch auf einen Kaffee zu Gast bei Halwart Schrader, Automobilhistoriker und Autor. Der Mann kann vielleicht Geschichten erzählen. Mindestens 70 Jahre selbst erlebte Automobilgeschichte. 

 

Ist da draußen noch jemand?

Ich bilde mir ein, dass ich noch vor einigen Jahren mehr Oldtimer auf  den Autobahnen angetroffen habe. Wo sind meine Triumph-Verbündeten, die Spitfire, TR6? Es können sich doch nicht alle die Reifen in der Garage plattstehen? Leute, die Zeit läuft ab. Elon Musk macht Ernst und Schluss mit Lustig. Zeit für die letzten automobilen Abenteuer und Reisen mit Stil und Benzingeruch. Landkarte statt Connected Car. Und Euer altes Auto kann mehr, als ihr ihm zutraut. Ist noch schnell genug, um ein paar Mücken und Fliegen zu erlegen. Keine Bienen, schon klar. George, Joao, Nina und ich planen jedenfalls schon die nächste Tour. Ein paar kleine alte Blech- und Holzkisten gegen die anonyme Kunststoff-Lawine. Wer kommt mit?

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Fahrspaß pur. Foto: Dan von Appen

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